Das Porträt

In jeder Kunstschule wird Kopfzeichnen unterrichtet und trotzdem müssen wir objektiverweise feststellen, es gelingt wenigen ein Porträt zu zeichnen. Als es die Photographie noch nicht gab, hatten die alten Meister die Aufgabe ein Abbild zu schaffen, was auch mit einigem Talent zu erlernen war.

Für ein Porträt ist das viel zu wenig. Es soll das unsichtbare Erlebnis, die unsichtbaren, streng gehüteten Leidenschaften und Nöte für den empfindsamen Betrachter widerspiegeln. Ein Porträtist ist mit einem Seelsorger zu vergleichen, der auch nur dann wenn er selber viel Tiefes oder noch Tieferes erlebt und erlitten hat, für den anderen seelisch Verzweifelten, Kranken, Trost und Heilung spenden kann. Darum ist es richtig, dass der Porträtist in der Kunstgeschichte immer einen Spitzenplatz eingenommen hat, denn zu seiner Bewältigung bedarf es eines tiefen, vielseitigen und persönlichen Erlebens.

Beim Porträt wird dem Künstler das menschliche Unvermögen hart, klar und deutlich vor Augen geführt. Angegriffen und schutzlos steht er allein da und soll sein Werk gelingen, ist er gezwungen, den Schöpfer um Beistand zu bitten.

Das menschliche Auge nimmt wiederum eine Sonderstellung im guten Porträt ein. Das Auge ist der Spiegel der Seele, oder anders ausgedrückt, im Auge liebäugelt die geheimnisvolle Seele mit dem Künstler. Ist das Auge schlecht gezeichnet, dann wird es kein Porträt mehr – ist aber das Auge gut gezeichnet, gut übersetzt, dann könnte man beinahe schon aufhören.

Darum liebe Porträtisten oder die es noch werden wollen: Das menschliche Auge ist das schönste und größte Geheimnis und verdient äußerste und höchste Sorgfalt

Hier eine kleine Auswahl der Porträts, bitte klicken Sie auf das Bild um es zu vergrößern: