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Vom Holzknecht zum geehrten Künstler
Sepp Gamsjäger, geboren am 15.
Jänner 1923 entstammt einer Holzknechtfamilie. Bereits in der
Volksschule entdeckte sein Lehrer Hermann Schusterbauer das
Zeichentalent des Kindes. Er sammelte Sepps Zeichnungen und
überreichte sie ihm viele Jahre später bei der 100.
Ausstellung in der NÖ Handelskammer in Wien.
Bedingt durch die Armut der kinderreichen Familie musste Sepp nach
Abschluss der Schule, in der er ernst und strebsam war, mit 14 Jahren
das Elternhaus verlassen,damit „ein Kostgänger weniger wurde".
Er verdiente seinen Unterhalt als Bauernknecht. Er war zwei Jahre
Knecht und diese harte Arbeit prägte ihn. Er litt sehr unter
Heimweh. Sein Vater vermittelte ihm eine Anstellung als Holzknecht beim
Stift Lilienfeld und so konnte er wieder daheim wohnen.
Im 2. Weltkrieg erlitt er als Hochgebirgsjäger drei Verwundungen.
Im Lazarett und in der Kriegsgefangenschaft begann er wieder zu
zeichnen. Er übte diese Fertigkeit vor allem an den Gesichtern
seiner Kameraden - die ersten Porträts entstanden. Als er 1946 aus
der Gefangenschaft heimkehren konnte, nahm er wieder die Arbeit im
Holzschlag auf. Vorerst schien sich keine Änderung in seinem
„Holzknechtdasein" zu ergeben.
Er war 24 Jahre alt geworden als er sich entschloss Zimmermann zu
werden. Das war 1947. Doch es sollte alles anders kommen.
In der Berufschule bemerkte deren Direktor Gottfried Weinzettl das
Zeichentalent Sepp Gamsjägers und empfahl ihn an die Graphische
Lehr- und Versuchsanstalt in Wien. Obwohl für die Zulassung zur
Aufnahmeprüfung in diese Schule eine abgeschlossene Haupt- oder
Mittelschule Voraussetzung war und Sepp nur 8 Klassen Volksschule
besucht hatte, ließ ihn der Direktor der „Graphischen", der sein Talent erkannte, zur Prüfung antreten. „Wenn er die Aufnahmeprüfung schafft, dann kann er kommen", - und Sepp Gamsjäger bestand die hervorragend.
Ein Stipendium ermöglichte ihm das fünfjährige Studium
an der Graphischen Lehr- und Versuchsanstalt, die er 1952 als Dipl.
Graphiker der Meisterklasse abschloss. Er gewann während seines
Studiums viermal den 1. Preis für Malerei und Graphik bei den
Kulturwettbewerben der Österreichischen Jugendbewegung (ÖJB).
Am 8. Juli 1950 hatte er sich verheiratet und Gattin Erna arbeitete in
einer Kartenfabrik, in der sie Spielkarten retuschierte, um zu ihrer
beider Lebensunterhalt beizutragen. Johann Tesar, damals
Bürgermeister von Annaberg und Präsident des
Niederösterreichischen Landtages schätzte Sepp
Gamsjägers Talent und förderte es. Durch sein Können und
seinen Fleiß konnte Sepp Gamsjäger sich 1956
selbstständig machen und im eigenen Atelier in Wien durch
Werbegraphik bedeutende Erfolge und Anerkennung erringen.
1960 kam Sohn Christian zur Welt. Sepp Gamsjäger konnte ein
Grundstück in seinem Heimatort Annaberg erwerben und mit viel
Mühe, aber auch großem Geschick entstand sein
„Refugium" hoch über dem Ort, das durch diese einmalige Lage
den Namen „Gamsburg" erhielt. Das später entstandene
Gebäude diente als Atelier, in dem ab 1976 Porträtkurse
stattfanden - die „Gamsburgschule".
1970 fand die erste Einzelausstellung im Stift Reichersberg in
Oberösterreich statt, deren Wegbereiter HR Dr. Theo Binder, Prof.
Dr. Katharina Dobler und Rentmeister Roman Foisner waren. Diese
Ausstellung war für Sepp der Grundstein für sein weiteres
Leben als Künstler.
Dem Präsidenten der Berufsvereinigung der bildenden Künstler
Österreichs, Prof. Anselm Grand, gefielen Sepps Porträts so
gut, dass er ihm ermöglichte als einziger Künstler in den
Kronprinz Rudolf-Sälen im Schloss Schönbrunn auszustellen.
Niederösterreichs Landeshauptmann Maurer nahm die Eröffnung
vor.
1973 entstand ein Jahr nach einem schweren Verkehrsunfall den Sepp
erleiden musste, auf Anregung durch den Sänger Günter Lesche
der „Annaberger Kreuzweg"
mit 14 Bildtafeln in der Technik der Monotypie, der in über 80
Kirchen gezeigt wurde. 1974 erhielt Sepp Gamsjäger in Anerkennung
seines Schaffens den Titel Professor.
1985 wurde die Gamsburgschule durch Bundespräsident Dr. Rudolf
Kirchschläger eröffnet. Zu diesem Anlass schrieb Sepp
Gamsjäger die „Gamsburghymne". Von 1976 - 1989 fanden in der
Gamsburgschule die Porträtseminare „Das künstlerische Porträt sehen und zeichnen" statt. Bei jedem Seminar vergab Sepp einen Freiplatz an einen begabten Jugendlichen.
1990 traf ihn ein Schlaganfall. Aber auch im Krankenhaus versuchte er
sich an Selbstporträts. Die Heilung machte gute Fortschritte,
dennoch starb Sepp Gamsjäger am 9. August 1991 durch seinen
zweiten Schlaganfall mitten in der Arbeit auf seiner „geliebten" Gamsburg.
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